1. Bauabschnitt

Die Baumaßnahmen des Nahwärmenetzes begannen zum Ende des Jahres 2008. Im ersten Bauabschnitt wurden zunächst die öffentlichen Gebäude sowie die Haushalte des zentralen Ortskerns von Lathen angeschlossen. So kamen im Laufe der Baumaßnahmen von 2009/2010 rund 380 Anschlüsse an das Nahwärmenetz. Der Ausbau des Netzes in die südlichen Bereiche Lathens sowie in Fresenburg und Lathen-Wahn wurde im Jahr 2011 begonnen.

In das Projekt, das im August 2009 begann, wurden rund 5,1 Millionen Euro investiert.  Für die Realisierung wurde von der Samtgemeinde und der Volksbank Emstal  die Energiegenossenschaft Nahwärme Emstal gegründet. Alle Abnehmer sind Mitglied der Genossenschaft geworden. Das Eintrittsgeld beträgt 4.000 Euro zuzüglich 100 Euro Geschäftsguthaben als Mitglied der Energiegenossenschaft.

2. Bauabschnitt

Durch den zweiten Bauanschnitt profitieren weitere rund 180 Haushalte vom günstigen Wärmeenergiebezug infolge der Nahwärmeanbindung.

Neben der Verdichtung des Netzes im Zentrum von Lathen erfolgten dabei im unmittelbaren Anschluss die Bauarbeiten in Lathen-Wahn und Fresenburg.


Holzheizkraftwerk

Eine Anlage zur Nutzung von naturbelassenen Holzhackschnitzeln als Brennstoff hat mit ihrem ersten Bauabschnitt den Betrieb aufgenommen und speist Heizwärme mit Temperaturen von rund 85 Grad in die Heizkreisverteilung des Nahwärmenetzes ein. Die Technik mit Holz Nahwärme zu erzeugen ist durchaus bewährt: Aus einem Tageslager mit hydraulisch betätigten Schubstangen versorgt sich die Feuerungsanlage selbst und vollautomatisch mit den bereits gehackt angelieferten Holzhackschnitzeln. Um rund 5.000 kW Nennleistung aus der mit einem Treppenrost ausgerüsteten Verbrennungsanlage zu gewinnen, werden so jede Stunde rund 7 Schüttraummeter des aus Wald und Flur stammenden unbehandelten Holzes in den dick schamottierten Ofen geschoben. Verbrennungsluft aus den Primär- und Sekundärluftgebläsen fachen die Flammen an. Durch die selektive Bewegung der Rostebenen wird das Holz auf seinen Weg durch den Ofen auf dem Rost ständig umgewälzt und kann so effektiv und sauber verbrennen. Die Asche aus dem Holz sammelt sich in nachgeschalteten Großcontainern. 

Die heißen Rauchgase werden bei Temperaturen von über 800 Grad (dadurch ist ein vollständiger Ausbrand gwährleistet) durch ein Abgasgebläse zunächst zum Wärmetauscher gezogen: In der Anlage des 1. Bauabschnitts wandelt ein wasserführender Rauchrohr-Kessel die Verbrennungswärme hier direkt zu Nahwärme.

Bevor die im Kessel ausgekühlten Abgase zum Schornstein gelangen, werden sie in einer zweistufigen Reinigungsanlage von Grob- und Feinstaub befreit. Selbst die scharfen deutschen Grenzwerte für Staub, Kohlenmonoxid und Stickoxiden sind bei der fortschrittlichen Technologie moderner Holzfeuerungsanlagen kein Problem.

Zweiter Bauabschnitt Strom und Wärme mit ORC-Anlage

Die erste Feuerungsanlage, die "nur" heißes Wasser erzeugt, bekommt aber bald eine "große Schwester": Zum September 2012 ist der Probebetrieb für die Anlage des 2. Bauabschnittes vorgesehen: Hier geht es dann um hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplung aus Biomasse, die neben der Nahwärme auch Strom mit einer elektrischen Leistung von ca. 1.000 kW liefern wird. Eine vom Aufbau vergleichbare Feuerbox wird als Parallel-Anlage errichtet. Der nachgeschaltete Kessel liefert kein heißes Wasser sondern heißes Thermoöl mit Vorlauftemperaturen von rund 320 Grad. Dieses Thermoöl ist aber letztlich nur Mittel zum Zweck. Es gibt seine Wärme-Energie zwecks Stromerzeugung beständig an ein sogenanntes ORC-Modul ab.

ORC-Prozess:

Im Gegensatz zu üblichen Kraftwerks-Prozessen kommt in ORC-Anlagen nicht Wasser, sondern ein organisches, synthetisch hergestelltes Öl als Arbeitsmittel zur Anwendung: Octa-Methyl-Tri-Siloxan - ein Stoff, der, ähnlich den Kältemitteln in unserern Klimaanlagen, bei deutlich niedrigeren Temperaturen und Arbeitsdrücken verdampft als Wasser. Dieses Öl wird verdampft und treibt eine Turbine an. Elektrische Wirkungsgrade von bis zu 19% sind so trotz der kleinen Anlagenleistung möglich. Die ORC-Technologie mit seinen speziell designten Stoffeigenschaften ist so der Schlüssel für eine wirtschaftliche Stromerzeugung mit dem relativ unedlen Holzbrennstoff.

Natürlich wird die im Kreisprozess anfallende Wärme ebenfalls genutzt und als Koppelprodukt in das Nahwärmenetz eingespeist. Neben der nach EEG vergüteten Strommenge von 1.000 kWh pro Stunde können so gleichzeitig 4.100 kWh Nutzwärme bei Vollgasbetrieb bereitgestellt werden.

Die gleichzeitige Strom- und Wärmeerzeugung macht diesen Teil der Anlage wirtschaftlich besonders interessant und soll im Jahresverlauf eine möglichst hohe Auslastung erreichen.

Die "kleine Schwesteranlage" aus dem ersten Bauabschnitt wird aber auch weiterhin, nämlich zu Zeiten hoher Wärmenachfrage, zusätzlich ihren Dienst verrichten. Im Gesamtzusammenhang ist für die Nahwärmegenossenschaft die fertige Wärme aus Holz letztlich noch preiswerter als die fossile Konkurrenz aus Öl und Gas.

Aus Sicht des Klimaschutzes ergeben sich ebenfalls enorme Auswirkungen. Schreitet der Nahwärmeausbau innerhalb der Samtgemeinde so wie geplant fort, können allein mit den Anlagen im Holzheizkraftwerk annähernd 10.000 Tonnen CO² Emission jährlich eingespart werden. Die dafür benötigte Menge an Holzhackschnitzeln wird in Abhängigkeit von Qualität und Heizwert auf rund 30.000 bis 40.000 Schüttraummeter pro Jahr beziffert. 

Neben der vorwiegenden Beschäftigung regional anssäsiger Unternehmen für den Ausbau bzw. Bau des Nahwärmenetztes sowie des Holzheizkraftwerks was und ist die Energiegenossenschaft Nahwärme Emstal eG stets daruaf bedacht, ausschließlichen Rohstoffen aus dem unmittelbaren Umfeld zur Regenerativenenergiegewinnung infolge des Holzheizkraftwerkbetriebs einzusetzen. Demzufolge trägt die Energiegenossenschaft Nahwärme Emstal eG seit jeher nicht nur einen entscheidenen, nachhaltigen Wertbeitrag zum Schutz unserer Umwelt bei, sondern beeinflusst die Wettbewerbsfähigkeit sowie die wirtschaftliche Existenz der regionalen Unternehmen gleichermaßen. 

So werden Arbeitsplätze Vorort gesichert und angesichts des nicht unerheblichen Ausmaßes auch neue Arbeitsplätze geschaffen. Denn sämtliche Arbeiten am Leitungsnetz und Gebäuden wurden von regionalen Unternehmen ausgeführt.